54 Methoden um Lügen zu erkennen

Lügen erkennen und handeln

 

41. Lügner legen sich eine exakte Chronologie zurecht. Dazu erzählen sie eine langatmige detailreiche Einführung, bleiben aber beim Hauptgeschehen spärlich und kommen schnell zum Ende. Was für uns wichtige Details im Hauptgeschehen sind, lassen sie stattdessen aus. Das sollte uns stutzig machen.

 

42. Achten Sie darauf, wenn Lügner Dinge, in die sie selbst verwickelt sein könnten, herunterspielen. „Das ist doch nicht schlimm, wenn man auf der Autobahn mal zu schnell fährt.“ Nehmen Sie auch feine Nuancen wahr. Während Sie von stehlen reden, spricht Ihr Gegenüber von „nehmen“. Die Mutter fragt Ihren Sohn: „Hast Du mir 20 Euro aus der Geldbörse gestohlen?“ – „Nein, ich habe das Geld nicht genommen.“ Der Sohnemann beschönigt also, mildert ab – falls doch mal die Wahrheit herauskommen sollte.

Dann hat er auf jeden Fall vorgesorgt: Ja, ich habe das Geld doch nur genommen, weil ich etwas für die Schule brauchte; du hättest es mir doch sowieso gegeben. Man kann Fragen auch geschickt umschiffen. „Hatten Sie an Ihrer bisherigen Arbeitsstelle Personal- und Etat-Verantwortung?“ – „Ich war zuständig für das Referat Fotografie und habe externe Fotografen eingesetzt.“

Der Lügner bauscht auf, übertreibt, antwortet nicht direkt, verwässert, denn das Referat war eine One-Man-Show und jeden Fotografeneinsatz musste er sich genehmigen lassen – also null Verantwortung. Tut aber so, als habe er eine ganze Brigade unter sich gehabt und Millionen verwaltet.

 

43. Das Kinn ist ein wichtiger Gradmesser für Lügner. Sind Sie ehrlich, bewegen Sie Ihr Kinn bei Trauer oder Wut überhaupt nicht. Sagen Sie die Unwahrheit, täuschen Sie solche Emotionen vor und bewegen dafür unter anderem auch das Kinn – also Ausschau halten nach dem Kinn, wenn Sie da etwas wahrnehmen, genauer hinschauen.

44. Verstecken sich Menschen hinter irgendwelchen Gegenständen wie Zuckerspender oder Teekanne, dann bauen Lügner meistens aberwitzige Barrieren auf. Selbst wenn das Gefäß am Rande des Tisches gestanden hat, stellt es der Lügner plötzlich in die Mitte, sozusagen als Schranke. Natürlich ist es kein Wall, sondern eher subtil. Dem Lügner ist das auch wenig bewusst, eher instinktiv macht er das, quasi als Schutz, hinter dem er mit seinem Lügen-Konstrukt in Deckung geht.

 

45. Wenn Sie sich normal mit jemandem unterhalten und es ein ehrliches Gespräch ist, werden Sie automatisch Pronomen wie „ich“ oder „wir, „meine“ oder „unsere“ verwenden. Der Lügner macht das eher nicht und spricht von „man“ oder „andere“, „manche“ oder „jemand“. Er weist quasi die Verantwortung ab auf das Unpersönliche, Allgemeine, Unverbindliche.

 

46. Verlassen Sie sich ruhig mal auf Ihr Bauchgefühl und beobachten Sie aufmerksam Ihr Gegenüber. Damit haben Sie zwei gute Voraussetzungen, um Lügen aufzudecken. Ein beliebtes Mittel von Verhörspezialisten ist das so genannte Weichklopfen: Immer wieder fragen, was der Delinquent genau gemacht habe, was in welchen Situationen passiert sei, den Stresspegel systematisch erhöhen: Irgendwann bricht das Lügengebäude zusammen.

Was Kriminalisten können, darf man ruhig auch bei der Anbahnung einer neuen Beziehung, im Geschäftemachen oder bei der Bewerbung anwenden. Bei manchen dauert es länger, andere knicken früher ein. Machen Sie sozusagen Ihr Gegenüber kirre. 47.  Bei Emotionen kann man nicht pokern. Kein Mensch setzt ein so eiskaltes Pokerface auf, wie man es vielleicht aus Spielwettkämpfen im Fernsehen sieht.

Warum haben die meisten auch dicke Sonnenbrillen auf, hinter denen sie sich verbergen? Weil sie eben kleinste Reaktionen unsichtbar machen wollen. Sie wissen genau, dass sie nicht alles unter Kontrolle haben. Pokertypen packen sich komplett ein: Cap ins Gesicht gezogen, Rollkragenpulli, Jackenkragen hochgezogen. Pokerface ja – Pokermenschen nein. Jemand kann Ihnen noch so cool gegenübersitzen, aber nicht alles unterdrücken.

47. Jetzt schauen wir und mal die Tricks der Verkaufsprofis an. Daraus können Sie weitere Tipps ableiten, um Unwahrheiten herauszufinden. Jemand will sich einen neuen Fernseher kaufen. Der Händler sagt als erstes: „Dieses Gerät ist genau das richtige für Sie. Ein Freund von mir hat es erst vor einer Woche gekauft und ist so was von begeistert.

Und der Clou: Der Fernseher hat in einem Qualitätstest mit Platz eins abgeschnitten. Und in der Bildwiedergabe ist das Gerät nicht zu toppen. Allein heute haben wir schon fünf Geräte davon verkauft. Ich glaube, dass hier ist der letzte Fernseher, den wir noch haben. Ob wir jemals Nachschub bekommen, ist fraglich.

Zwischen dem Gerät und diesem hier von der Konkurrenz liegen Welten. Ich kann Ihnen sogar ein Sonderangebot machen: Dieses Ausstellungsstück bekommen Sie mit zehn Prozent Nachlass!“ In diesem kurzen Gespräch haben wir alle klassischen Verkaufstricks enthalten. Wer so dick aufträgt, hat es nötig. Lassen die Finger davon, der Kasten ist ein Ladenhüter, der unbedingt Platz für neue Ware machen muss.

Es fängt an mit der Freundschaft. Auf den Rat von Freunden, die uns ja nie betrügen würden, hört man gerne. Deshalb gehen Firmen auch verstärkt dazu über, Produkte über Mittelsmänner in bestimmten Freundeskreisen abzusetzen. Man macht eine Party, bekocht die Gäste, platziert geschickt neue Produkte wie einen Staubsauger-Roboter. Dann serviert man ein Dinner mit ganz neuen Zutaten, einen edlen Wein, lässt den Cleaner über den Boden gleiten und kommt über das eine und andere ins Gespräch. Was meinen Sie, was Ihre Freunde danach machen? – Jawohl, sie rennen in die nächsten Shops und kaufen Wein und den Roboter.