54 Methoden um Lügen zu erkennen

Lügen erkennen und handeln

 

31. Und nun kommen wir zu den Schuldgefühlen. Auch hier gilt: Druck verstärken. Es gibt kaum einen so abgebrühten Lügner, der dabei nicht Reaktionen zeigt. Man müsste schon wirklich der perfekte notorische Wahrheitsverdreher sein, um keine Schuldgefühle bei der Unwahrheit zu bekommen. Provozieren Sie Schuldgefühle, indem Sie sagen: „Ich wäre wirklich sehr betroffen, wenn ich angelogen werden würde.“ – „Schatz, ich liebe Dich.“

Allein das reicht schon, ihm Schuld einzuhauchen, wenn er Sie betrogen hat und Sie jetzt auch noch belügt. „Du weißt, ich bin ein Wahrheitsfanatiker. Ich kann Lügen nicht ausstehen.“ Wenn er oder sie jetzt noch lügt, muss er/sie eigentlich Signale von Traurigkeit äußeren; der Täter will fliehen, ausweichen, am liebsten den Raum verlassen, steht auf, läuft unruhig hin und her. Seine Körperhaltung steht auf Flucht, die Füße sind zur Tür hin ausgerichtet. Manchmal dreht der Täter auch seinen Kopf zur Seite, weicht dem direkten Blick aus – Schuldgefühl halt.

Oder Können Sie jemandem in die Augen schauen, den Sie gerade anlügen? Das wäre ja so wie einem die Hand zu geben und ihn dann hinterrücks abzuknallen. Wenn Sie es schaffen, Schuld zu wecken, stoßen Sie meist auf einen traurigen Blick oder Gesichtsausdruck. Ihr Gesprächspartner sagt nun nicht mehr „ich“ und „mein“, sondern verallgemeinert zum „man“. Insgesamt wirken Lügner steifer, denn sie wollen sich mit zu viel Gestik und Mimik nicht selbst verraten, halten sich streng und kühl unter Kontrolle.

 

32. Erfahrene Lügner freuen sich über gelungene Täuschungsmanöver. Sie haben auch weniger Angst. Eine Scham oder Hemmschwelle zu lügen kommt selten bei ihnen vor. Man könnte eher von klammheimlicher Freude reden, ja manchmal lächeln sie sogar, wenn sie nicht ehrlich sind – oder sagen wir eher: Sie grinsen, gepaart mit einem Mehr an Bewegung – so sehen glückliche Lügner aus.

Beispiel: Nach der Wende sind viele Eigentumswohnungen im Osten neu gebaut und weit überteuert verkauft worden, weil es attraktive Steuervergünstigungen gab, die manche Investoren blind gemacht haben. Immobilienhändler haben sich eins ins Fäustchen gelacht: „Wenn die so gierig sind, dann sind sie doch selbst schuld, dass sie zu viel bezahlt haben!“

Der Katzenjammer kam Jahre später: Sie wurden und werden die Immobilien nur mit erheblichem Verlust wieder los, die anfangs garantierten Mieten sind heute nicht mehr zu erzielen. Viele Prominente haben hier ihr ganzes Geld verloren – selbst schuld, lacht der Vermittler, der fette Provisionen eingestrichen hat.

Ähnlich auch in der Finanzkrise mit hoch riskanten Papieren, die wie eine Blase platzten. Die Vermittler haben ihre Boni bekommen – und sich gefreut. Also, sollten Sie ein Geschäft machen, eine Partnerschaft eingehen, ein Date vereinbaren, jemanden einstellen wollen oder was auch immer, wenn Ihr Gegenüber in sich hineinlacht, grinst, euphorisch ist, sollten die Alarmglocken klingeln; hier wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Achten Sie auf völlig unpassendes Verhalten, Zeichen freudiger Erregung und auch von Stolz.

33. Erkennen Sie offensichtliche Diskrepanzen – in Wort und Ausdruck. Lügner wissen manchmal am Ende des Gesprächs nicht mehr, was sie am Anfang gesagt haben. Da Sie aber andere Prioritäten setzen und sich bestimmte Informationen bei Ihnen anders festsetzen, ertappen Sie hier einen Lügner manchmal sehr schnell. Prüfen Sie am Ende nochmals am Anfang Gesagtes ab. Und dann müssen Sie wissen, dass man die obere Gesichtshälfte am schwersten kontrollieren kann, wenn jemand einen künstlichen Gesichtsausdruck hinbekommen möchte.

Klassisch: Der Mund lacht zwar, die Augen aber nicht. Das muss Ihnen auffallen. Lächeln die Augen nicht, wirkt alles andere gekünstelt – aufgesetzte Emotionen! Achten Sie auch auf Links Rechts-Diskrepanzen: Haben Sie schon mal gesehen, wenn nur eine Mundseite lächelt? Das wirkt sehr verkniffen. Meist kommen dann noch Stirnfalten hinzu.

Sind Emotionen wirklich echt, treten sie immer erst auf, bevor man etwas sagt und gestikuliert – also erst die Emotion, dann sprechen und zuletzt Gestik. Lügner machen es umgekehrt: erst reden, dann Gesten und dann die Emotionen verkniffen, gekünstelt hinterher. Beobachten Sie das genau. Lügner sind nichts anderes als Laien-Darsteller, und die übertreiben gerne.

Ihre Emotionen erscheinen zu heftig und zu lange, also vorgespielt. Und sie testen meist alle Emotionen in einer kurzen Abfolge hintereinander durch, um bei Ihnen zu sehen, was am besten ankommt. Derjenige, der die Wahrheit sagt, reagiert mit einer einzigen Emotion: Entweder droht er oder er ist enttäuscht oder er bettelt – so einfach ist das.

 

34.  Jeder Mensch, und wenn er auch noch so oft lügt, zeigt für den Bruchteil einer Sekunde – maximal 0,5 Sekunden lang – seine wahren Emotionen. Dann erst ist er in der Lage, seine künstliche Mimik aufzusetzen. Konzentrieren Sie sich also, wenn Sie Ihr Gegenüber herausfordern und beobachten Sie jeden auch noch so kleinen Mikro-Ausdruck. Das haben übrigens bekannte Therapeuten herausgefunden. Denn auch Lügner haben Gefühle, die sie nicht ganz unterdrücken können.

 

35. Fragen Sie kompliziert, nicht einfach. Der Lügner muss sich schon etwas einfallen lassen, nicht einfach „ja“ oder „nein“. Wenn Sie längere Pausen zwischen Ihren Sätzen oder Fragen einfügen, verunsichern Sie damit Ihren Gesprächspartner. Wichtig zu wissen: Lügner haben sich präpariert und eine Geschichte einstudiert. Sie können meist nur in einer chronologischen Reihenfolge antworten.

Diese müssen Sie durchbrechen, indem Sie nachhaken und selbst zeitlich springen. Dann bringen Sie ihn aus seinem Konzept und machen ihn noch mehr nervös als er ohnehin schon ist. „Was war denn davor?“ – „Wie war das noch mal, als Sie den Raum betraten?“ – „Können Sie mir noch mal das mit dem Angriff genau sagen, wo standen Sie und wo der Angreifer?“

So bringen Sie den Delinquenten durcheinander. Es sei denn, er sagt die Wahrheit, dann bleibt er ruhig und Sie können ihn nicht verwirren, weil seine Geschichte so stimmt und wirklich abgelaufen ist. Sie können im Verhör auch einfach so tun, als würden Sie bereits das Geschehen, das Ergebnis kennen, als suchten Sie einfach nur noch nach der Bestätigung.

„Ich verstehe ja, dass Sie sich hier nicht um Kopf und Kragen reden wollen; ich hätte an Ihrer Stelle sogar Verständnis dafür, wenn Sie mich anlügen.“ Oder wenn sich jemand bei Ihnen bewirbt, dann gehen Sie noch einmal an den Anfang des Gesprächs zurück: „Wo haben Sie noch mal angefangen, was war da Ihre Aufgabe?“

Den Verkäufer verwirren Sie so: „Sie sagten zu Beginn, die Kamera hat einem optischen Zoom und einen digitalen – oder habe ich Sie da falsch verstanden, nur einen optischen?“ – „Wie teuer war noch mal das Modell – 299 Euro?“ Nennen Sie einen falschen Betrag, denn dann muss der Verkäufer Sie korrigieren – und ist aus dem Konzept. Sie wissen nun, ob Sie es mit einer ehrlichen Haut zu tun haben.

36. Achten Sie auf Details. Wenn jemand lügt, hat er eine Geschichte einstudiert. Erstaunlich viele Details kommen zum Vorschein. Sie aber fragen nach anderen Details, auf die der Lügner keine Antwort weiß (Kleidung? Eigene Stimmung? Musik?) – ist schon komisch? Es zeigt Ihnen, dass er doch Lücken hat, die er nicht bedacht hatte.

Sagt dagegen jemand die Wahrheit, muss er zwangsläufig bei der Schilderung nachdenken, alles wieder abrufen, stockt zwischendurch, berichtet unstrukturiert, was ihm gerade einfällt, springt zeitlich, hat Gedächtnislücken und beim nochmaligen Erzählen trifft man auf kleine Abweichungen.

Emotionale Ausbrüche sind bei Ehrlichen schon deswegen möglich, weil sie die Geschichte selbst erlebt haben – da ist sein Freund verprügelt worden, seine Freundin angepöbelt worden – das zerreißt ihn immer noch. Der Lügner spult das cool runter, ohne Emotion, weil er es gar nicht wirklich erlebt hat.

 

37. Versetzen wir uns in die Lage eines Lügners: Er muss den Hebel von Wahrheit auf Lüge umschalten, sich dann eine gute Geschichte einfallen lassen und sie ohne Nervosität rüberbringen. Das ist viel schwieriger als einfach die Wahrheit zu sagen. Es gibt kaum einen Lügner, der keine Fehler macht, auch wenn wir nur 50 Prozent der Lügen erkennen.

Bei den Fehlern setzen wir an. Als erstes ist eine symmetrische Körpersprache wichtig. Wir haben bereits über die obere Gesichtspartie gelesen, die Rechts-Links Symmetrie. Hebt jemand nur eine Schulter und er sagt: „Ist mir gänzlich unbekannt.“

Können Sie darauf wetten, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Ein ehrlicher Mensch würde das mit beiden hochgezogenen Schultern unterstützen. Unsere Körperreaktion ist grundsätzlich auf Symmetrie aus – Asymmetrisches deutet auf Fehlreaktion hin, also eventuell Lüge.

 

38. Ein Mythos bleibt es, dass Lügner uns weniger oft in die Augen schauen und unseren Blicken ausweichen; das Gegenteil ist der Fall. Auffallend oft starren sie uns an, insistieren förmlich.

 

39. Lügner haben die Angewohnheit, Fragen auffallend lange und wörtlich zu wiederholen, um Zeit für die Antwort zu gewinnen. Das ist nur Verzögerungstaktik von Lügnern. Sie sind überrascht, haben so schnell keine plausible Antwort und müssen nachdenken. Auch die Antwort: „Das habe ich nicht verstanden, können Sie die Frage bitte noch einmal wiederholen?“ ist ein ebenso beliebter Trick. – Oder: „Entschuldigung, ich habe das rein akustisch nicht verstanden.“ – Schon klar!

 

40. „Was willst Du damit sagen?“ ist auch nur eine weitere Verzögerungstaktik. „Was meinst Du damit?“ – „Welche Hausaufgabe meinst Du, die ich erledigt haben soll?“ Und so weiter. Lassen Sie sich unbedingt mal die Hefte zeigen, denn da ist was im Busch.