54 Methoden um Lügen zu erkennen

Lügen erkennen und handeln

 

1. Lernen Sie Menschen erst einmal genauer kennen und beobachten und kalibrieren Sie sie, um einen Vergleichswert zu haben, anhand dessen Sie Norm-Abweichungen = Hinweise auf Lügen ausmachen können. Man nennt das auch, seine „Baseline“ erkennen, ihn unter entspannten, ruhigen Bedingungen zu erleben. Oder auch: das Referenzverhalten ermitteln.

Dann erst stellen Sie im Fall von Unwahrheit fest, ob er von seiner Baseline abweicht und damit lügt. Merken Sie sich eins: Es gibt sie nicht, die klaren Zeichen, die eine Lüge sofort entlarven. Es ist immer ein ganzes Bündel aus Sprache, Bewegung, Abweichungen von der Norm und Art der Reaktion. Bevor Sie auf irgendetwas eingehen, Komplimente oder Sonderangebote etwa, müssen Sie die Person durchschauen.

 

2. Bei Bewerbungen sollten Sie Kandidaten ebenso genau beobachten – bis in kleinste Details. Hier gilt das gleiche Prinzip: kalibrieren und dann Abweichungen von der Norm erkennen. Stellen Sie Fangfragen wie „Ihre bisherige Firma hat ja einen ausgezeichneten Ruf – warum wollen Sie wechseln?“ Da muss schon etwas Überzeugendes kommen, sonst ist Ihr Kandidat in Not, weil er vielleicht kurz vor dem Rausschmiss steht.

Und so ausgezeichnet ist der Ruf der alten Firma gar nicht. In einer Bewerbung geht’s knallhart zur Sache: „Sie sprechen perfekt Englisch, dann lassen Sie uns das Gespräch auf Englisch fortsetzen!“ – „Sie kennen sich mit Fotobearbeitungs-Software aus – dann zeigen Sie mir bitte mal, wie Sie dieses Bild hier mit der Fotobearbeitungs-Software freistellen.“

Sie müssen einerseits ja die fachliche Kompetenz prüfen, andererseits aber auch persönliche Eigenschaften, die für den Job wichtig sind – wie komplexes Denken, analytischen Verstand, Ergebnis-Präsentation abklopfen. Das geht relativ einfach aus dem Anforderungsprofil der Stelle heraus.

Die personal skills aber müssen Sie erfragen, erforschen, beobachten: Ist der Kandidat Teamplayer oder Einzelkämpfer, loyal oder intrigant, kompromissfähig oder Egomane, verhandlungssicher oder Hasenfuß, präsentationsstark oder verkauft er sich unter Wert? Wie verhält sich der Kandidat in Stresssituationen? Setzen Sie ihn also unter Stress. Sie selbst wissen, was für den Job wichtig ist, also müssen Sie genau diese Fähigkeiten beim Bewerber checken.

Und doch gibt es auch hier immer wieder Schauspieler, die Personalentscheider blenden. Meistens aber nach drei bis sechs Monaten verfällt man wieder in sein altes Strickmuster. Deshalb vereinbaren Sie eine verlängerte Probezeit, in der Sie den Neuling unter Beobachtung stellen. So entlarven Sie Lügner und Schaumschläger.

 

3. Bleiben wir in der Arbeitswelt: Wie entlarven Sie Lügner am Arbeitsplatz? Eine wichtige Frage, denn schließlich verbringen wir ein Drittel unseres Lebens in und mit unserem Job. Da ist es wichtig zu überleben. Und Kollegen können einem wie auch Vorgesetzte das Leben schwermachen, indem sie lügen, mobben oder intrigieren. Sie wundern sich, warum Sie nicht weiterkommen oder Kollegen Sie schneiden, sich hinterrücks über Sie lustig machen. So entlarven Sie diese falschen „Fuffziger“.

Dabei müssen Sie immer das Machtgefüge im Betrieb berücksichtigen. Nicht immer ist es rat sam, einem Vorgesetzten oder Kollegen die Maske vom Gesicht zu reißen, aber zu wissen, wer sich dahinter wirklich verbirgt, hilft beim Überleben. Wenn ich also weiß, dass der Chef lügt, der aber wiederum von seinem Boss wegen der erbrachten Leistungen den Rücken gestärkt bekommt, wird es wenig hilfreich sein, ihm das Handwerk zu legen. Dann müssen Sie einfach nur mitspielen.

Es geht immer darum, was ich selbst für mich erreichen will – und dann die richtigen Mittel zum Zweck aussuchen. „Auf meine Unterstützung dürfen Sie zählen“ – „Meyer, ich glaube, Sie stehen kurz vor einem Karrieresprung!“ – „Es hat weiß Gott nicht an mir gelegen!“ – solche Sätze am Arbeitsplatz entlarven Lügner glasklar.

4. Wenn drei der folgenden zwölf Beobachtungen unter den Nummern vier bis sechzehn zutreffen, spricht man von einem Lügen-Cluster, das mit ziemlicher Sicherheit auf Unehrlichkeit Ihres Gegenübers (also Kollegen, Chefs oder Mitarbeiters) schließen lässt. Als erstes nennen wir ein so genanntes gefaktes oder falsches Lächeln. Wie erkennen Sie das?

Ganz einfach, weil es äußerst schwer ist, echtes, natürliches Lächeln vorzumachen, wenn man dabei lügt. Denn ein natürliches Lächeln verursacht nämlich so genannte Krähenfüße an den äußeren Rändern der Augen. Schauen Sie mal in den Spiegel und versuchen Sie, natürlich unverkrampft zu lächeln. Spielen Sie dagegen ein Lächeln nur vor, verändert sich Ihr Gesicht nur im Bereich Ihrer Mundpartie – also keine Krähenfüße an den Augenrändern.

 

5. Zweitens sollten Sie aufhorchen, wenn Ihr Gesprächspartner zu unüblichen Zeiten antwortet, also wie aus der Pistole geschossen schneller als normalerweise. Dann sind die Antworten einstudiert und meistens eine Lüge. Setzen Sie das wiederum genau in Relation zur Baseline. Normalerweise verhält es sich ja so, dass den Lügner überraschend eine Frage trifft, er diese erst verinnerlichen muss, die Wahrheit unterdrückt und dann die Lüge hervorkramt – was üblich einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt.

Trifft der Lügner aber genau auf eine vorbereitete Frage, auf die er sich eine Lüge präpariert hat, schießt er sie schnell raus – und der Frager ist überrascht über Schnelligkeit und Präzision. Wie würde ein normaler Mensch reagieren? Er denkt erst nach, lässt sich Zeit, verhaspelt sich auch mal, stottert – äh und so weiter. Es ist immer etwas unrund, eben natürlich reagiert, nicht unter Stress, nicht aufgeregt und nicht gelogen.

 

6. Erkennen Sie verbale Abweichungen. Verändert der Lügner etwa seine Stimme, wird er lauter oder im Tonfall höher als wenn er normal spricht? Lügner holen in ihrer Antwort weit aus, schweifen ums Thema herum, ohne konkret wirklich exakt auf die Frage einzugehen.Achten Sie auch auf Floskeln wie „So weit mir bekannt ist“, „Ehrlich gesagt“, „Ich schwöre es“, „Gott ist mein Zeuge“, „Ich meine, gehört zu haben“ und so weiter – alles nicht sehr überzeugend.

7. Viertens wiederholen Lügner gerne Fragen, um Zeit für eine „gute“ Antwort zu finden. Obwohl sie klar und deutlich gefragt haben „Haben Sie das Buch gestohlen?“, antwortet der Lügner weit ausschweifend: „Sie wollen nun von mir wissen, ob ich dieses Buch gestohlen habe?“ – Die Antwort ist doch klar wie Kloßbrühe: Er lügt.

 

8. Lügen bedeutet Stress, und unter Stress reagieren viele Menschen mit einer Über- oder Unterproduktion von Speichel. Sie schlucken häufiger oder trinken etwas, um das zu regulieren. Das kann sogar dazu führen, dass die Zunge am Gaumen kleben bleibt oder Speichel in den Mundwinkeln sichtbar wird.

 

9. Steht man unter Strom, erweitern sich zwangsläufig die Pupillen. Das passiert bei Anspannung genauso wie unter verstärkter Konzentration.

 

10. Siebtens blinzelt man öfter mit den Augen, wenn man nervös ist. Und Lügen machen bekanntlich sehr nervös. Man muss Menschen unter Anspannung mal genau beobachten – haben sie etwa gelogen? Schauen Sie auf die Augen und zählen mal die Blinzler. 25 Blinzler sind normal. Sind es weit mehr, dann könnte es sich um eine Lüge handeln.